In die Tiefe gehen

Auf der Suche nach Vertiefung im Glauben reicht es nicht, sich in Bücher zu vertiefen. Der Glaube hat etwas mit den Tiefen unseres Seins zu tun – mit den großen Fragen des Lebens. Drei Möglichkeiten, auf der Suche nach Gott in die Tiefe zu gehen, möchten wir Ihnen hier vorstellen.

  • Stille: die Sprache Gottes
  • Exerzitien und Einkehrtage
  • Geistliche Begleitung


„Vielleicht beten wir am meisten, wenn wir am wenigsten sagen,
und am wenigsten, wenn wir am meisten sagen.“Hl. Augustinus

Stille: die Sprache Gottes

Der Hl. Johannes vom Kreuz, einer der großen Kirchenlehrer gerade wenn es um das Gebet geht, sagte: „Die erste Sprache Gottes ist die Stille.“ Uns Menschen fällt es hingegen oft nicht leicht, wirklich still zu werden. Still zu werden in einer lauten Welt. In einer Welt, die nicht nur außen laut ist, sondern auch in uns.

Gott ist in der Stille unseres Herzens zu finden. Er ist nicht im Sturm, wie wir in der Geschichte von Elija am Horeb lesen. Ihn finden wir im „leisen Säuseln“ (1Kön 19,11-13) des Windes. Dazu müssen wir jedoch still werden. Und das bedarf der Übung. Wir können lernen, still zu werden in Gottes Gegenwart und uns bei Ihm auszuruhen. Dazu lädt Er uns ein (vgl. Mt 11,28).

Zur Ruhe kommen und still werden vor Gott ist der Anfang. Die Hl. Mutter Teresa schrieb auf ihre Visitenkarte einen kurzen Text, den sie den „einfachen Weg“ nannte:

„Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede!“

Die Stille führt uns in den inneren Frieden, nach dem sich jeder sehnt. Das intensive Innenleben unserer Seele – Sehnsüchte, Fragen, Ungeduld u.v.m. – ist oft wie ein See im Sturm. Das Wasser ist in Bewegung und trüb vom aufgewirbelten Grund. In der Stille wird das „Wasser“ unserer Seele klarer. Gedanken, die einem sonst nicht bewusst sind, können zum Vorschein kommen. Man spürt und „hört“ sich selber intensiver. Das was laut ist in uns und das was fehlt, den Mangel an Liebe, an Kommunikation… Wenn wir versuchen, still zu werden wie der See, und Jesus bitten, die Stürme in uns zu beruhigen, spiegelt sich auf der Wasseroberfläche der Himmel – und in unserer Seele Gott.

„Gott ist still. Er wartet auf unsere Stille, um sich zu offenbaren. Die Stille wiederzufinden, ist also eine Priorität, eine Notwendigkeit, eine Dringlichkeit.“ (Kardinal Robert Sarah)

Ruhe finden bei Gott

Predigt von Bischof Stefan Oster über das „Land der Ruhe“
Buchtipp: Kardinal Robert Sarah „Die Kraft der Stille“


„Da sagte Er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort,
wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“Evangelium nach Markus 6,31

Exerzitien und Einkehrtage

Wenn im Alltag wenig Zeit bleibt für Gott, können wir uns eine Auszeit nehmen, aufbrechen an einen anderen Ort und uns eine bewusste exklusive Zeit mit Gott nehmen.

Exerzitien sind eine Zeit, in der sich die einzelne Person für einige Tage von der vertrauten Umgebung zurückzieht und in einem Exerzitienhaus oder einem anderen geistlichen Haus lebt. Zeiten des individuellen und gemeinschaftlichen Betens, des Schweigens, des Begleitgesprächs, der Ruhe und Erholung können sich dabei abwechseln.

Exerzitien sind ein Weg, sich selber besser kennenzulernen, seinen individuellen Lebensweg zu entdecken oder zu vertiefen und in betender Begegnung mit Jesus Christus das Leben neu auszurichten.

Es gibt verschiedene Arten von Exerzitien:

  • Exerzitien in Gemeinschaft
  • Ignatianische Einzelexerzitien
  • Vortragsexerzitien
  • Heilungsexerzitien
  • Wander-/Straßenexerzitien




„Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.“Evangelium nach Lukas 24,15

Geistliche Begleitung

Gemeinsam in die Tiefe gehen: Oft brauchen wir jemanden, der den Weg mit uns gemeinsam geht. Einen Gesprächspartner, dem wir uns anvertrauen können. Einen Raum und eine Zeit, um sich bewusst den großen Fragen des Lebens zu stellen.

Mit geistlicher Begleitung sind regelmäßige Gespräche gemeint,

  • in denen das Leben und der Glaube zur Sprache kommen.
  • die helfen können, das Leben zu ordnen, neue Perspektiven in den Blick zu nehmen.
  • die in eine lebendige Beziehung zu Jesus führen wollen.
  • die von der konkreten Lebenssituation ausgehen und dabei helfen wollen, Probleme aus dem Blick des Glaubens heraus zu bewältigen.
  • die helfen können, anstehende Entscheidungen und Veränderungen zu bewältigen.
  • die immer wieder zu neuer Hoffnung und Zuversicht und zu einem dankbaren, erfüllten Leben führen können.