Einladung zu einer neuen Etappe der Evangelisierung

Die Frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden ist zeitloser Auftrag der Kirche. Jedoch findet heute ein großer Teil der Menschen in der Verkündigung der Kirche nicht mehr das Evangelium, d.h. die überzeugende Antwort auf die Frage: Wie kann mein Leben gelingen? Besonders in der westlichen Welt beobachten wir einen fortschreitenden Prozess der Entchristlichung. Deshalb sucht die Kirche neue Wege, die Botschaft Jesu zu verkünden – in einer christlich geprägten Welt, die nicht mehr an Christus glaubt.

Neu in ihrem Eifer, in ihren Methoden und in ihrer Ausdruckweise

Von der „Neuevangelisierung“ sprach zum ersten Mal Papst Johannes Paul II. in seiner Predigt am 9. Juni 1979 im polnischen Nova Huta. Von da an war Neuevangelisierung ein zentrales Thema seines Pontifikats in unzähligen Ansprachen und Dokumenten. Er wollte das eine Evangelium für heute „in neuen Methoden, neuem Ausdruck und [mit] neuer Leidenschaft“ verkünden. Papst Benedikt XVI. errichtete 2011 den „Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung“ und 2012 berief er eine Bischofssynode zu diesem Thema ein. Bezugnehmend auf diese Synode veröffentliche Papst Franziskus ein Jahr später sein erstes großes Schreiben „Evangelii gaudium“, in dem wichtige Hinweise auf die „neue Evangelisierung“ und die „missionarische Umgestaltung der Kirche“ zu finden sind.

„Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude. In diesem Schreiben möchte ich mich an die Christgläubigen wenden,
um sie zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von dieser Freude geprägt ist,
und um Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzuzeigen.“Papst Franziskus in Evangelii gaudium

Grundhaltungen für jede Neuevangelisierung

  • Vertrauen auf Gottes Wirken: Er ist der eigentlich Handelnde – mit uns und durch uns.
  • Umkehr als Voraussetzung: Eine persönl. Hinwendung zu Gott geht jeder Evangelisierung voraus.
  • Vertiefung der eigenen Gottesbeziehung: sich Zeit für Gott nehmen.
  • Freude und Hoffnung des Evangeliums leben: Ohne sind wir nicht anziehend für die Menschen.
  • Zeugen sein in der Welt: erfüllt sein von dem, was wir glauben.
  • Sehnsucht: sich danach sehnen, dass alle Menschen zu Gott finden.
  • Wirklichkeit wahrnehmen: nicht auf Altem beharren, sondern Gutes bewahren und Neues wagen.
  • Es gibt kein fertiges Modell: Wir sind gemeinsam auf der Suche, wo Kirche wächst und warum.
  • Alle sind eingeladen: mitzubeten, mitzudenken und mitzuarbeiten.
  • Ausdauer: Geduld und langer Atem sind gefragt.

Anliegen der Neuevangelisierung

  • In eine lebendige Beziehung, in eine Freundschaft mit Jesus Christus zu finden.
  • Die Heilige Schrift zu kennen und aus dem Wort Gottes zu leben.
  • Die Menschen in der Kirche willkommen zu heißen und ihnen dort Heimat zu geben.
  • Den eigenen Glauben zur Sprache zu bringen.
  • Das Glaubenswissen zu erneuern und zu vertiefen.
  • Das Evangelium in die Tat umzusetzen.
  • Die Menschen zu sehen und zu suchen, die nicht mehr kommen.
  • Den Weg in den Himmel, ins ewige Leben aufzuzeigen.
„Der erste ist immer Christus: Ich werbe für eine neue Hinwendung zu ihm, für ein neues Kennenlernen von ihm, für ein erneuertes Wissen darüber, was und wem und warum wir glauben. Warum? Weil ich schlicht glaube, dass er allen Lobes würdig ist und alle unsere Liebe verdient hat. Neuevangelisierung ist Verkündigung eines authentischen Evangeliums von Gott als Vater, von Christus als Erlöser, vom Reich Gottes, in das wir alle eingeladen sind.
Es ist eine Einladung in die Jüngerschaft, damit Menschen zu ihm finden.
Der innerste Kern all dessen ist im Grunde absichtslose Liebe zu Gott und den Menschen.“Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Konkrete Schritte zur Neuevangelisierung


Der Herr liebt die kleinen Anfänge

„Neuevangelisierung bedeutet: Sich nicht zufrieden geben mit der Tatsache, dass aus dem Senfkorn der große Baum der universalen Kirche entstanden ist; nicht denken, es genügt, dass in seinen Zweigen die verschiedensten Vögel ihren Platz finden, sondern es von Neuem wagen mit der Demut des kleinen Senfkorns, dabei aber Gott überlassen, wann und wie es wachsen wird.“ (Papst em. Benedikt XVI.)