Mehr als live dabei

Autor:  Andrea SchwemmerKategorie:  Aktuelles, Highlights

In den letzten Wochen haben wir uns in Vielem an die virtuelle Welt gewöhnt und waren dankbar für die verschiedenen Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben: Videokonferenzen, Skypen, Livestream etc. Und zugleich hat wohl jeder gemerkt, wie viel schöner es ist, einen guten Freund tatsächlich zu treffen. Wir spüren, welch großen Unterschied es für unsere Beziehungen macht, real beisammen zu sein.

Seit einigen Tagen dürfen wir wieder zur sonntäglichen Eucharistiefeier in unseren Pfarrkirchen zusammenkommen. Vielleicht fällt es uns gar nicht so leicht, uns am Sonntag tatsächlich auf den Weg zur Kirche zu machen: so viele Hygienevorschriften – und auf der Couch war’s doch eigentlich auch ganz bequem, den Livestream mitzuverfolgen.

Doch auch in unserer Gottesbeziehung und in unserer Glaubensgemeinschaft macht es einen Unterschied, physisch vor Ort zu sein. Es lohnt sich, sonntags zur Hl. Messe in die Pfarrkirche aufzubrechen.

Mindestens diese fünf Gründe sprechen dafür:

  1. Es ist der Auftrag Jesu an uns, dass wir Sonntag für Sonntag real zusammenkommen.
  2. Immer wieder, so lesen wir in den Evangelien, tritt der Auferstandene am ersten Tag der Woche, also am Sonntag, in die Gemeinschaft der versammelten Jünger und bricht zusammen mit ihnen das Brot. So wird sein Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, den er beim letzten Abendmahl ausspricht, für die Jünger konkret. Die Jünger spüren, wie sehr sie die gemeinsame Eucharistiefeier stärkt, weil Jesus selbst in ihrer Mitte gegenwärtig ist. Jeden Sonntag, wenn wir Hl. Messe feiern, tun wir es den ersten Jüngern gleich und entsprechen dem Wunsch Jesu.

  3. In der Eucharistie feiern wir, dass Christus sich uns ganz schenkt. Mit seinem Leib gibt er sich am Kreuz bis zum Äußersten für uns hin. Unsere leibliche Anwesenheit beim Sonntagsgottesdienst ist wie der Beginn einer dankbaren Antwort auf diese leibliche Hingabe Christi.
  4. Gott hält nichts zurück: In der Feier der Eucharistie schenkt er sich uns ganz. In der unscheinbaren gewandelten Hostie ist Christus real gegenwärtig, sie ist sein Leib, mit dem er sich für uns am Kreuz bis zum Äußersten hingegeben hat. Auch wir sollen mehr und mehr lernen, vor Gott nichts zurückzuhalten. Dies beginnt anfanghaft, wenn wir auf die reale Gegenwart Gottes in der Eucharistie mit unserer realen Gegenwart antworten.

  5. Wir leben von der tatsächlichen Zuwendung zu Gott wie die Welt vom Sonnenlicht. Diese Zuwendung schließt auch unseren Leib mit ein, der wesentlich zu jedem Einzelnen gehört.
  6. In den uns vertrauten Formen der Liturgie wie z. B. dem Sonntagsgottesdienst geschieht diese Zuwendung im Besonderen. Indem ich mich nicht nur mit meinen Gedanken und Gebeten am Livestream mit Gott verbinde, sondern physisch vor Ort den Gottesdienst mitfeiere, komme ich mit allem, was mich ausmacht zu Gott: mit Leib und Seele, direkt und unvermittelt.

  7. Im Gottesdienst stärken wir uns als erfahrbare Glaubens- und Gebetsgemeinschaft gegenseitig.
  8. Wir tragen uns gegenseitig im Gebet und bringen gemeinsam unsere Sorgen und Nöte vor Gott. Gemeinsam sind wir stärker im Gebet. So verheißt uns Jesus: „Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ (Mt 18,19) Außerdem stützt z. B. das laut gesprochene „Amen – So sei es“ meines Hintermanns am Ende des Glaubensbekenntnisses meinen eigenen Glauben, besonders dann, wenn ich mich gerade schwertue, dieses Amen zu sprechen, weil ich Zweifel empfinde.

  9. Der Kirchenraum und die Gebetshaltungen, die während des Gottesdienstes eingenommen werden, helfen, aus dem Alltag heraus in die Gegenwart Gottes zu treten.
  10. Der Ortswechsel, den ich vollziehe, wenn ich am Sonntag meine Wohnung verlasse, um mich auf den Weg zur Kirche zu machen, hilft mir, meine Gedanken auf Gott auszurichten. Besonders die Atmosphäre einer Kirche als sakraler und über Jahrzehnte und Jahrhunderte durchbeteter Raum erleichtert es, sich für Gott zu öffnen. Auch die verschiedenen Gebetshaltungen, die während der Liturgie eingenommen werden, haben diesen Effekt. Sie machen uns besonders deutlich, dass unser Leib im Gespräch mit Gott eine wichtige Rolle spielt. Beispielsweise das Knien während der Wandlung erleichtert es den Gedanken, in eine innerliche Haltung der Ehrfurcht und der Anbetung zu finden. Denn im Knien drückt der Leib schon aus, was das Herz bekennen soll: Gott ist wirklich gegenwärtig.



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